Organspende kurz erklärt

  • 14.00 Uhr: Fahrradunfall

     

    Tim macht mit seinem besten Freund eine Mountainbike-Tour durch Graubünden. Beim Bergabfahren prallt Tim mit voller Wucht gegen einen Baum und verliert das Bewusstsein.

  • 14.30 Uhr: Transport ins Spital

    Tim wird mit dem Rettungshelikopter der Alpine Air Ambulance ins Kantonsspital Graubünden geflogen. Bei der Untersuchung stellen die Intensivmediziner:in eine schwere Hirnblutung fest. Tims Zustand verschlechtert sich. Der Hirntod tritt ein.

     

    14.30 Uhr: Transport ins Spital

  • 17.15 Uhr: Angehörigengespräch

     

    Tims Eltern treffen im Spital ein. Von der  die behandelnde Fachperson erfahren sie, was passiert ist. Im Gespräch thematisieren Ärzt:innen die Möglichkeit einer Organspende.

  • 19.30 Uhr: Entscheidung

    Die Suche nach Organspende-Karte und Registereintrag ist erfolglos. Auch Tims Eltern wissen nicht, ob ihr Sohn Organe spenden wollte. Sie stehen vor einer schwierigen Entscheidung.

     

    19.30 Uhr: Entscheidung

  • 22.00 Uhr: Spendermeldung

     

    Die Eltern fassen schliesslich einen Entschluss: Tims Organe sollen gespendet werden. Mit der Einwilligung der Eltern wird Tim der Stiftung Swisstransplant als Spender gemeldet. Ein komplexer Prozess beginnt.

  • 22.15 Uhr: Medizinische Untersuchung

    Das ärztliche Fachperson untersucht mittels Ultraschall Tims Organfunktionen und schickt Blutproben ins Labor. Gleichzeitig wird Tims medizinische Vorgeschichte erfasst.

     

    22.15 Uhr: Medizinische Untersuchung

  • 01.40 Uhr: Organzuteilung

     

    Mithilfe des Computersystems SOAS ermittelt die nationale Koordination der Stiftung Swisstransplant unter den Patient:innen auf der Warteliste mögliche Empfänger:innen für Tims Organe.

  • 02.30 Uhr: Koordination

    Sind die Prioritätenlisten pro Organ berechnet, informiert Swisstransplant die Spitäler der möglichen Empfänger:in. Erst wenn alle Organe zugeteilt sind, wird der Zeitpunkt der Organentnahme festgelegt.

     

    02.30 Uhr: Koordination

  • 03.55 Uhr: Anrufe

     

    Nach über vier Monaten auf der Herzwarteliste erhält eine 23-jährige Patientin aus Zürich in dieser Nacht einen erlösenden Anruf. Sofort macht sie sich auf den Weg ins Universitätsspital Zürich, wo sie binnen wenigen Stunden operiert werden soll.
    Ärzt:innen und Koordinator:innen erwarten die Patientin bereits, über ihren Spender erfährt die junge Frau jedoch nichts.

  • 10.00 Uhr: Entnahme

    Tim wird zur Organentnahme in den Operationssaal gebracht. Nacheinander entnehmen Ärzteteams aus verschiedenen
    Transplantationszentren sorgfältig seine Organe, verpacken sie und transportieren sie in Boxen sicher und gekühlt zu den Empfänger:innen in die jeweiligen Zentren. Nach der Organentnahme werden Tims Operationsschnitte wieder verschlossen.

     

    10.00 Uhr: Entnahme

  • 14.00 Uhr: Transplantation

     

    In einer mehrstündigen Operation wird der jungen Patientin aus Zürich ein neues Herz transplantiert. Der Eingriff verläuft erfolgreich: Das transplantierte Herz beginnt zu schlagen und nimmt seine Funktion wieder auf.

  • 15.15 Uhr: Abschied

    Tims Aussehen wurde durch die Organentnahme nicht verändert. Lediglich die Operationsnarbe ist sichtbar. Nach
    der Entnahme wird sein Leichnam der Familie übergeben. Die Eltern können sich nun in Ruhe von ihrem Sohn verabschieden
    und ihn bestatten.

     

    15.15 Uhr: Abschied

Glossar

Organe, Gewebe oder Zellen dürfen einer verstorbenen Person nur entnommen werden, wenn dafür eine Einwilligung vorliegt und der Hirntod von zwei unabhängigen Ärzt:innen anhand klar definierter klinischer Untersuchungen im Vier-Augen-Prinzip nachgewiesen wurde. Der Hirntod ist der vollständige und irreversible Funktionsausfall des gesamten Gehirns. Durch den unumkehrbaren Ausfall sämtlicher Hirnfunktionen verliert der Mensch das Steuerungsorgan seines Organismus und stirbt. Mögliche Ursachen für den Hirntod sind Ereignisse wie Schlaganfälle, Hirnblutungen, Sauerstoffmangel oder – wie bei Tim – unfallbedingte Kopfverletzungen.

In der Schweiz können Herz, Lunge, Leber, Niere, Dünndarm und Bauchspeicheldrüse gespendet werden. Nieren und Teile der Leber können von lebenden Spendern stammen. Auch Gewebe, beispielsweise Augenhornhäute, Blutgefässe oder Herzklappen, können transplantiert werden.

Swisstransplant ist die Schweizerische Nationale Stiftung für Organspende und Transplantation. Zusammen mit Fachpersonen in den Spitälern ist Swisstransplant für das Organ- und Gewebespendewesen der Schweiz verantwortlich. Dabei übernimmt Swisstransplant die gesetzeskonforme Zuteilung der Organe und führt die nationale Warteliste. Die Stiftung mit Sitz in Bern organisiert zudem alle mit der Organzuteilung zusammenhängenden Tätigkeiten, beispielsweise den Organtransport, und informiert Öffentlichkeit und Fachpersonen über die Themen Organspende und Transplantation.

Damit eine Transplantation gelingt, müssen Blut- und Gewebefaktoren von Spender:innen und Empfänger:innen möglichst
genau übereinstimmen. Um passende Organempfänger:innen zu ermitteln, werden neben den Resultaten der Laboruntersuchungen alle wesentlichen Daten im Computersystem SOAS (Swiss Organ Allocation System) erfasst. Anschliessend berechnet das System unter den Patient:innen auf der Warteliste die passenden Empfänger:innen. Höchste Priorität haben Menschen, deren Zustand unmittelbar lebensbedrohlich ist. Weitere Kriterien sind Wohnsitz, medizinischer Nutzen, spezifische Prioritäten (Kinder, seltene Blutgruppe) und die Wartezeit.

Obwohl sich die Spenderate in den letzten Jahren positiv entwickelt hat, warten in der Schweiz derzeit rund 1400 Menschen auf ein Spenderorgan. Die meisten von ihnen – über 1100 Patient:innen – benötigen eine neue Niere. Jährlich sterben rund 70 Menschen, die auf der Warteliste stehen, weil nicht rechtzeitig passende Organe verfügbar sind.

In der Schweiz werden Organe an sechs Standorten transplantiert. Die Transplantationszentren befinden sich an den Universitätsspitälern Genf, Lausanne, Bern, Basel und Zürich sowie am Kantonsspital St. Gallen. Jedes Zentrum ist auf die Transplantation bestimmter Organe spezialisiert.

Schweizweit bleiben Spender:innen und Empfänger:innen anonym: Tims Eltern erhalten keine Informationen darüber, wer die Organe ihres Sohnes erhält. Umgekehrt erfahren auch Organempfänger:innen nicht, wer ihnen ein Organ gespendet hat. Damit sollen sowohl die Spenderfamilien als auch die Empfänger:innen vor zusätzlicher Belastung geschützt werden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, über Swisstransplant anonymisierte Dankesbriefe zu versenden.

Ohne Durchblutung können Organe ihre Funktionen nur wenige Stunden aufrechterhalten. Daher müssen sie möglichst schnell zu den Empfängern:innen gebracht und transplantiert werden. Um keine Zeit zu verlieren, erfolgt der Transport mit Ambulanzen, Helikoptern oder sogar Jets. Von der Organzuteilung bis zur abgeschlossenen Entnahme dauert es bis zu 24 Stunden.

Nach einer Transplantation sind Patient:innen zeitlebens auf sogenannte Immunsuppressiva angewiesen. Immunsuppressiva sind Medikamente, welche die Funktionen des Immunsystems herabsetzen und so verhindern, dass das transplantierte Organ vom Körper abgestossen wird.